Medardus
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Kirche soll lebensnäher an die Menschen rücken

Mehr als einhundert Katholiken aus dem Kreisdekanat Altena-Lüdenscheid starten den Dialogprozess. Initiatoren erfreut über die starke Resonanz.

(20.06.2011 Text: Bettina Görlitzer LN, Fotos: Markus Geisbauer) Positiv überrascht von der Resonanz und sehr zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung sind die Mitglieder des Kreiskatholikenrates nach ihrem Auftrakt zum Dialogprozess. Mehr als einhundert Katholiken aus dem Kreisdekanat Altena-Lüdenscheid verbrachten den Samstagvormittag im Pfarrsaal von St. Joseph und Medardus in Lüdenscheid und diskutierten darüber, welchen Herausforderungen sich Kirche im 21. Jahrhundert stellen muss. Dr. Kerstin Kregel aus Meinerzhagen vom Organisationsteam freute sich besonders, dass der Blick aller Teilnehmer in die Zukunft gerichtet war und es weniger darum ging, über das zu klagen, was störte.

Das sei eher Thema in den Rückläufen der Postkartenaktion gewesen, ergänzte ihr Kollege Stefan Kemper. Rund 100 Karten seien aus verschiedenen Gemeinden zurück gekommen, auf denen oftmals "Frust abgelassen" worden sei, nicht zuletzt über die Folgen der Strukturreform im Bistum oder den Rückgang an Selsorgern und nicht besetzten Stellen.
Ganz anders war dagegen der Tenor bei der Veranstaltung am Samstag. In zwei Arbeitsrunden wurden in Gruppen Aussagen erarbeitet, die sowohl Kritik am Status quo als auch den Handlungsbedarf aufzeigten. Nach der ersten Runde wurden 15 Stichworte unterteilt, unter die die Karten der Gruppen aufgelistet wurden. Da kamen die Stichworte "Priester", "Ökumene" oder "Sakramente" genauso vor wie "Frauen", "Jugend" oder "Verbände". Auch "Moral" und der "Gegensatz zwischen Tradition und Moderne" wurden nicht ausgespart.
Dabei waren die Gleichberechtigung von Frauen, der Umgang mit Geschiedenen und Wiederverheirateten oder die Gefahr von Burnout bei überlasteten Seelsorgern nur drei von vielen Themen.

In der zweiten Gruppenrunde - in neuer Zusammensetzung - forderte Moderator Norbert Lepping, Referent für Projektentwicklung und -management im Dezernat Pastoral des Bistums Essen, die Anwesenden auf, den Satz "Kirche in unserem Bistum hat eine Zukunft, wenn ..." zu vervollständigen. Auch da wurden die Ansprüche der Katholiken sehr konkret: "wenn sie gläubiger, fröhlicher und missionarischer ist" war eine Aussage, oder "wenn sie lebensnäher bei den Menschen ist", eine andere.
Kreisdechant Johannes Broxtermann war einer von mehreren Seelsorgern, die selbst an der Diskussion teilnahmen. Auch er war erfreut über die starke Resonanz - etwa die Hälfte der Anwesenden kam seiner Einschätzung nach aus verschiedenen Gremien innerhalb der Dekanate und seiner Pfarreien und Gemeinden. Die andere Hälfte waren interessierte Gemeindemitglieder. Besonders angetan war Broxtermann von der Breite der Themen, die angesprochen wurden. Sein positives Fazit: "Das hätte ich so nicht erwartet."
Stefan Kemper betonte aber auch, dass keine Jugendlichen dabei waren - die zu erreichen müsse ein weiteres Ziel sein.
Jetzt sollen alle zusammengetragenen Gedanken ausgewertet werden und dann den Pfarrgemeinderäten und Gemeinderäten zur Verfügung gestellt werden, damit der Dialog weitergeführt werden kann. Für Norbert Lepping ist klar: Die Laien haben den ersten Schritt gemacht. Jetzt sind die Bischöfe an der Reihe, den zweiten zu machen." Die Einladung zum Gespräch ging von der Bischofskonferenz aus. Jetzt sei das Gespräch da, "der Bischof kann nicht mehr zurück".
Das will er auch wohl nicht, denn gerade am vergangenen Wochenende hat er in den Gemeinden einen Hirtenbrief verlesen lassen, in dem er ausdrücklich zum Dialog einlädt. Darin heißt es unter anderem: "Lassen Sie uns einen ehrlichen, offenen und von einem guten geistlichen Stil geprägten Austausch in unserem Bistum suchen, der auch über die Grenzen der eigenen Gruppe, Gemeinschaft und Gemeinde hinausgeht. Mehr noch: Lassen Sie uns auch in Verbindung treten mit der Welt um uns herum, mit den Menschen, die ein sehr distanziertes oder gar kein Verhältnis zur Kirche haben."