
Das Evangelium dieses Sonntags führt uns mit Jesus in die Wüste. Auch hier ist es der Geist Gottes, der ihn dorthin führt.
Die Wüste ist ein Ort der Klarheit, der Reduktion, der inneren Auseinandersetzung. Ein Ort, an dem alles Überflüssige wegfällt und das Wesentliche sichtbar wird.
Jesus begegnet in der Wüste Versuchungen, die zutiefst menschlich sind: der Wunsch nach Sicherheit, nach Anerkennung, nach Macht. Er begegnet ihnen nicht mit eigener Stärke, sondern mit dem Wort Gottes, mit Vertrauen, mit innerer Freiheit.
Vielleicht ist die Fastenzeit genau dafür da: unsere eigenen Versuchungen wahrzunehmen – nicht um uns zu verurteilen, sondern um zu entdecken, wie Gott uns darin stärken möchte.
Die Wüste ist kein Ort der Strafe, sondern ein Ort der Begegnung. Ein Ort, an dem wir lernen können, was uns wirklich trägt.
In jener Zeit
wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt;
dort sollte er vom Teufel versucht werden.
Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte,
hungerte ihn.
Da trat der Versucher an ihn heran
und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist,
so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.
Er aber antwortete:
In der Schrift heißt es:
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein,
sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt,
stellte ihn oben auf den Tempel
und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist,
so stürz dich hinab;
denn es heißt in der Schrift:
Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen,
und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen,
damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.
Jesus antwortete ihm:
In der Schrift heißt es auch:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
Wieder nahm ihn der Teufel mit sich
und führte ihn auf einen sehr hohen Berg;
er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht
und sagte zu ihm:
Das alles will ich dir geben,
wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.
Da sagte Jesus zu ihm:
Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht:
Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten
und ihm allein dienen.
Darauf ließ der Teufel von ihm ab
und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.
Manchmal führt uns das Leben an Orte, die wir uns nicht ausgesucht haben.
Zeiten der Leere, der Unsicherheit, der inneren Trockenheit.
Vielleicht sind solche „Wüstenzeiten“ nicht nur Hindernisse, sondern Räume, in denen Gott uns neu ansprechen möchte.
Ich schreibe drei Situationen der letzten Wochen auf, in denen ich mich „in der Wüste“ gefühlt habe.
Ich frage mich heute:
Was könnte Gott mir in dieser Wüste zeigen wollen?
Gott, führe mich in meine Wüste –
und bleibe bei mir.
Lass mich erkennen, was du mir zeigen willst.
Amen.
Die erste Versuchung zielt auf Identität: „Beweise, wer du bist.“
Wie oft geraten wir in die Versuchung, uns beweisen zu müssen – durch Leistung, Perfektion, Anerkennung.
„Beweise, was du kannst.“
Jesus antwortet: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“
Er lebt aus Gottes Zuspruch, nicht aus Selbstbehauptung.
Ich notiere einen Satz, mit dem ich mich oft unter Druck setze („Ich muss…“).
Ich streiche ihn für heute einfach mal durch und schreibe darunter: „Ich bin genug.“
Ich achte heute darauf, wann ich mich beweisen will – und halte kurz inne.
Gott, befreie mich von dem Druck,
mich beweisen zu müssen.
Lass mich aus deinem Zuspruch leben.
Amen.
Die zweite Versuchung spielt mit Angst und Kontrolle:
„Wenn du wirklich glaubst, dann müsste Gott doch…“
Auch wir kennen diese Gedanken: Warum greift Gott nicht ein? Warum schützt er mich nicht sichtbarer?
Jesus antwortet: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“
Glaube heißt Vertrauen – nicht Kontrolle.
Ich lege heute eine Hand auf mein Herz und spreche innerlich:
„Gott, ich vertraue dir – auch ohne Beweise.“
Ich verkoste diesen Augenblick bewusst.
Ich achte heute auf Situationen, in denen ich Kontrolle abgeben kann.
Gott, lehre mich Vertrauen.
Nimm mir die Angst, alles absichern zu müssen.
Amen.
Die dritte Versuchung ist die Versuchung der Macht: „Du kannst alles haben.“
Auch wir kennen die Sehnsucht nach Einfluss, Erfolg, Anerkennung.
Jesus antwortet: „Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten.“
Er entscheidet sich für Freiheit statt für Macht.
Ich überlege heute: Was ist mir wirklich wichtig?
Ich schreibe drei Werte auf, die mir wichtiger sind als Erfolg und Macht.
Ich suche mir heute bewusst Freiräume, um aus Freiheit statt aus Ehrgeiz handeln zu können.
Gott, richte mein Herz auf das aus, was wirklich zählt.
Bewahre mich vor falschen Versprechen.
Amen.
Am Ende der Wüste steht nicht Erschöpfung, sondern Stärkung.
Engel dienen Jesus. Vielleicht gibt es auch in unserem Alltag Engel –
Menschen, Gesten, Worte, die uns stärken, ohne dass wir es immer bemerken.
Ich denke an eine Person, der mir in letzter Zeit gutgetan hat.
Ich schreibe ihren Namen auf und schließe sie bewusst in mein Gebet ein.
Wenn möglich, schicke ich ihr heute eine kurze Nachricht des Dankes.
Ich achte heute bewusst auf kleine Zeichen der Fürsorge, die ich gebe und empfange – auch mir selbst gegenüber.
Gott, danke für die Engel in meinem Leben.
Öffne meine Augen für ihre Gegenwart.
Amen.
