Wie gehen Exerzitien im Alltag?

Foto von Patrick Fore auf Unsplash; Text mit Anpassungen entnommen aus: Exerzitien im Alltag. Leben ist Wandlung, Hrsg. Bistum Passau, Referat Exerzitien, Spiritualität, Geistliche Gemeinschaften und Bewegungen
Foto von Patrick Fore auf Unsplash; Text mit Anpassungen entnommen aus: Exerzitien im Alltag. Leben ist Wandlung, Hrsg. Bistum Passau, Referat Exerzitien, Spiritualität, Geistliche Gemeinschaften und Bewegungen

Exerzitien im Alltag sind eine Einladung, sich auf eine Reise nach innen zu begeben. Betrachtungen, Gebet, Achtsamkeitsübungen, Ausrichten auf Gottes Gegenwart – mitten im Alltag – öffnen einen weiten Erfahrungsraum für die Seele.

 

Aus den einzelnen Übungen kann ein persönlicher geistlicher Weg entstehen. Alles, was Sie auf diesem Weg erleben, ist zuerst Frucht des Heiligen Geistes. Es ist nur begrenzt Ergebnis eigener Anstrengung und Leistung. Überlassen Sie daher Gott die Initiative. Eine gewisse Regelmäßigkeit gehört dazu und schafft Raum für Gott. Daher nehmen Sie sich bewusst eine Zeit für sich.

 

Haben Sie Mut zur Stille. Machen Sie sich bewusst: Exerzitien im Alltag leben von der Alltagserfahrung in der Balance zwischen Selbstdiziplin und Gelassenheit. Die Texte, Impulse und Anregungen, die Ihnen hier angeboten werden, brauchen nicht alle "durchgearbeitet" werden. Haben Sie Mut zur Auswahl und Vertiefung, denn: "Nicht das Vielwissen sättigt und befriedigt die Seele, sondern das Verspüren und Verkosten der Dinge von innen her." (Ignatius von Loyola). Gehen Sie gerne ihrem Gespür nach, was Ihnen guttut und was zu Ihnen passt. 

 

Exerzitien sind eine besondere und geschenkte Zeit, die gestaltet sein will – „exercere“ heißt „üben“. Das kann intensiv, befreiend, herausfordernd ... und noch ganz anders sein.

Exerzitien im Alltag: Impulse und Treffen

Sie finden an Aschermittwoch und an den Sonntagen in der Fastenzeit jeweils einen Impuls für die Woche auf dieser Homepage. Auch ein Zusenden dieser Impulse per E-Mail ist möglich. Jeder dieser Impulse bezieht sich auf einen Schrifttext, der am jeweiligen Sonntag im Gottesdienst erklingt. In 3-5 Einzelimpulsen für die Tage der jeweiligen Wochen soll die Bedeutung dieses Textes für den Alltag erschlossen werden. Sie können sich erstmal eigenständig, alleine oder mit Ihren Angehörigen mit diesen Impulsen auseinandersetzen.

 

Es tut Ihnen vielleicht darüber hinaus gut, Ihre Gedanken, Gefühle und Erfahrungen mit anderen auszutauschen. Ein wenig Wegbegleitung kann im Zugehen auf Ostern sehr sinnvoll sein. Dafür sind die wöchentlichen Treffen da, in denen Sie Ihre bisherigen Erfahrungen mit den Exerzitien im Alltag Woche für Woche angeleitet reflektieren können. Diese Treffen dauern etwa eine Stunde und enden mit einem kurzen, gemeinsamen Gebet, Ritual und/oder Segen.

 

Eine Anmeldung für den E-Mail-Verteiler ist jederzeit möglich. Die Impulse werden jeweils am Aschermittwoch bzw. zu den Sonntagen in der Fastenzeit online gestellt bzw. verschickt. Die Termine für die wöchentlichen Treffen finden Sie ebenfalls hier: 

Den Tag geistlich gestalten

Bild von Sixteen Miles Out auf Unsplash
Bild von Sixteen Miles Out auf Unsplash

Um geistlich und achtsam durch den Tag zu gehen, ist es hilfreich, eine Tagesstruktur zu finden. Folgende Zeiten eignen sich für ein kurzes oder längeres Innehalten, z. B.:

 

Morgens (ca. 3 Minuten)

Nach dem Aufwachen ein Kreuzzeichen machen und drei Minuten Zeit für ein kurzes Gebt nehmen. Hier ist ein Beispiel:

Ich mache mir bewusst – jetzt beginnt ein neuer Tag, eine neue geschenkte Lebenszeit!

Ich danke für meinen Schlaf oder ich bringe die vergangene Nacht vor Gott.

Ich schaue kurz voraus, was mich heute erwartet. Ich bitte Gott um Hilfe, Kraft oder Geduld für...

"Gott, ich will diesen Tag leben, auch wenn ich oft nicht an Dich denke. Geh Du mit mir meinen Weg. Amen.“

 

Gebetszeit am Tag (ca. 20 Minuten)

Hilfreich ist eine persönliche Zeit der Stille am Tag. So, wie es gut passt: morgens, mittags oder abends? Falls es möglich ist, jeden Tag zur selben Zeit zu beten, hilft es womöglich, sich Abend vorher überlegen, wann es nächsten Tag passt...

Hilfreich ist auch ein Ort, für den Rückzug ins Gebet, in die Sammlung und Stille. Dieser Ort sollte zum Gebet einladen und innere Sammlung unterstützen: ein Kreuz, eine Kerze, eine Blume...

Hilfreich ist zudem eine Sitzgelegenheit, die es ermöglicht, länger konzentriert zu bleiben.

Dabei tut es gut, ungestört zu bleiben: das Telefon stumm schalten, einen Notizzettel bereit haben für plötzliche Eingaben, Ideen oder Gedankeen, ein Schild an der Tür: „Bitte nicht stören“, Kurzzeitwecker/Timer stellen, um nicht auf die Uhr schauen zu müssen.

 

Die persönliche Gebetszeit kann in etwa so gestaltet sein:

 

  1. Sammlung (Kreuzzeichen, Verneigung...)
  2. Bitte um Klarheit und Anliegen
  3. Betrachten und verweilen (Bibelstelle, Impuls...)
  4. Mit Gott ins Gespräch kommen: Lob, Dank, Bitte, Klage...
  5. Rückschau (evtl. Notizen machen)
Abends (ca. 10 Minuten)

Vor dem Schlafengehen eine kurze Rückschau:

Gott bitten um einen liebvollen und ehrlichen Blick auf den vergangenen Tag.

  • Wo habe ich heute Freude, Fröhlichkeit und Hoffnung erfahren?
  • Und wo haben sich Fragen aufgetan, sind mir Leerem Einsamkeit und Mühsal begegnet?
  • Das alles gebe ich vertrauensvoll in Gottes Hände.
Oder Wenn die Zeit knapp ist oder die Kraft fehlt, genügt das einfache Gebet:
"Danke – Verzeihung – Wir beide, Gott, bis morgen."