Impulse für Aschermittwoch und die folgenden Tage

Foto von Orrico Thays auf Unsplash
Foto von Orrico Thays auf Unsplash

„An Aschermittwoch ist alles vorbei.“ – Mit diesem Spruch führen sich Karnevalisten gerne vor Augen, dass auch die närrische, lockere und ausgelassene Zeit des Karnevals ein Ende hat. Mit dem Aschermittwoch beginnt eine ganz andere „Jahreszeit“: die Fastenzeit, offiziell auch „Österliche Bußzeit“ genannt.

 

Das kann mir schon einen Hinweis geben, dass es in den kommenden Wochen nicht nur um Verzicht geht. Fasten kann ein hilfreiches äußeres Zeichen sein – aber im Kern geht es um etwas Tieferes: um Umkehr. Um eine innere Bewegung des Herzens.

 

Die Fastenzeit lädt mich ein, diese Umkehr einzuüben (Exerzitien = Übungen) und zuzulassen. Denn es kommt nicht allein auf mein Tun und mein Durchhaltevermögen an. Entscheidend ist, wie sehr ich darauf vertraue, dass Gott selbst in mir wirken möchte – dass er mich verwandeln kann.

 

Diese Haltung bringt die betende Person in Psalm 51 eindrucksvoll zum Ausdruck. Diesen Psalm, der am Aschermittwoch als Antwortpsalm erklingt, darf ich mir in den kommenden Tagen im Gebet zu eigen machen. Vielleicht entdecke ich darin Worte, die meine eigene Sehnsucht treffen.

Psalm 51 (Ausschnitte)

Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld,

tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!

Wasch meine Schuld von mir ab

und mach mich rein von meiner Sünde!

Denn ich erkenne meine bösen Taten,

meine Sünde steht mir immer vor Augen.

Gegen dich allein habe ich gesündigt,

ich habe getan, was böse ist in deinen Augen.

Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz

und einen festen Geist erneuere in meinem Innern!

Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht,

deinen heiligen Geist nimm nicht von mir!

Gib mir wieder die Freude deines Heils,

rüste mich aus mit dem Geist der Großmut!

Herr, öffne meine Lippen,

damit mein Mund dein Lob verkünde!


1. Impuls

"Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde!"

Manchmal tragen wir Dinge mit uns herum, die wir längst abgelegt haben sollten: Worte, die wir gesagt haben; Erwartungen, denen wir nicht gerecht wurden; Entscheidungen, die uns nachhängen.

Der Psalmvers spricht eine Sehnsucht aus, die viele kennen: Ich möchte neu anfangen können.

Reinwerden heißt hier nicht „perfekt werden“, sondern: frei werden von dem, was mich innerlich bindet. Gott wird als derjenige angesprochen, der das Unmögliche möglich macht – der mich rein wäscht, wo ich selbst nicht weiterkomme.

Vielleicht ist die Fastenzeit genau dafür da: nicht um mich zu optimieren, sondern um mich von Gott neu berühren zu lassen.

Kleine Aktion

Ich nehme mir ein Blatt Papier zur Hand.

Ich schreibe darauf ein Wort oder einen Satz, der beschreibt, was mich gerade belastet oder beschwert.

Dann zerreiße ich das Blatt langsam und bewusst.

Ich halte die Fetzen einen Moment in der Hand – und lege sie dann weg.

Ein kleines äußeres Zeichen für einen inneren Schritt.

Impuls für den Tag

Ich achte heute darauf, wann ich innerlich streng mit mir werde.

Kann ich diesen Moment bewusst Gott hinhalten – statt ihn allein zu tragen?

 

Gebet

Gott, du kennst meine Wege und meine Abgründe.

Was ich selbst nicht lösen kann, das löse du.

Was mich beschwert, nimm du mir ab.

Was mich unfrei macht, verwandle du.

Wasche mich rein – und schenke mir einen neuen Anfang.

Amen.


2. Impuls

"Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, deinen heiligen Geist nehme nicht von mir!"

Der Beter hat Angst, Gott könne sich abwenden.

Doch die Bibel erzählt immer wieder das Gegenteil: Gott bleibt. Gott geht mit. Gott wohnt in uns.

Der Heilige Geist ist nicht etwas, das man verlieren kann wie einen Schlüsselbund.

Er ist Gottes bleibende Gegenwart in mir – oft leise, aber immer da.

Vielleicht ist die Fastenzeit eine Einladung, wieder sensibler zu werden für diese leise innere Stimme:

für das, was tröstet, was ermutigt, was aufrichtet, was inspiriert.

Kleine Aktion

Ich lege eine Hand auf mein Herz.

Ich atme ein paarmal ruhig ein und aus.

Ich spreche innerlich: „Gott, du bist in mir.“

Ich bleibe einen Moment in dieser Gewissheit.

Impuls für den Tag

Ich achte heute auf kleine Impulse, die mich innerlich bewegen:

ein Gedanke, ein Gefühl, ein kurzer Moment von Frieden, eine Idee, ein kleiner Aufbruch…

Vielleicht (ganz bestimmt sogar) ist das der Heilige Geist, der sich bemerkbar macht.

Gebet

Gott, du bist mir näher als ich mir selbst.

Dein Geist lebt in mir, auch wenn ich es nicht immer spüre.

Mach mein Herz weit für deine Gegenwart.

Lass mich heute aus deiner Kraft leben.

Amen.


3. Impuls

„Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde!“

Loben fällt uns oft schwerer als Klagen.

Und doch: Wer lobt, sieht die Welt anders.

Lob ist kein Schönreden, sondern ein Wahrnehmen des Guten –

mitten im Alltag, mitten im Unfertigen.

Vielleicht beginnt das Lob Gottes nicht mit großen Worten, sondern mit einem kleinen Staunen:

über einen Menschen, einen Moment, einen Gedanken, einen Lichtstrahl.

Kleine Aktion

Ich nehme mir heute drei Minuten Zeit.

Ich schreibe drei Dinge auf, für die ich heute dankbar bin – egal wie klein.

Ich lese sie mir laut vor.

Das ist schon Lob.

Impuls für den Tag

Ich versuche heute bewusst einen Satz des Dankes auszusprechen –

gegenüber einem Menschen oder im stillen Gebet.

Gebet

Gott, öffne meine Augen für das Gute, das du mir schenkst.

Öffne meine Lippen für Worte des Dankes.

Öffne mein Herz für das Staunen.

Lass mein Alltag ein Echo deines Lobes sein.

Amen.